Baader-Meinhof-Komplex
Nachdem ich den Film “Der Baader-Meinhof-Komplex” am Samstag in totaler Übermüdung bis 2:00 Uhr morgens gesehen habe, bin ich mir ganz sicher, dass es sich keineswegs wie hier schon mal erklärt um eine Glorifizierung der RAF-Kader handelt. Der Film ist eher eine sehr schnelle Aneinanderreihung von in diesem Zusammenhang historischen Ereignissen, die größtenteils sehr detailgetreu dargestellt werden. Wenn Rudi Dutschke eine Rede hält, wenn die Jubelperser auf die Demonstranten losgehen, wenn die 2. Generation der RAF “in einer harten Aktion” Hans-Martin Schleyer entführt und bei all den anderen historisch verbrieften Szenen, dann fühlt man sich so als ob der Film zur Real-Doku wird.
Anders ist dies leider bei den drei Hauptcharakteren Meinhof, Ensslin und Baader, diese bleiben sehr blass und wie Ex-Innenminister Gerhart Baum in der “Zeit” sinngemäß sagte fehlt ihnen der erklärende Unterbau der zur Rechtfertigung ihrer Taten diente.
Andere Charaktere gehen sogar vollends unter, sie tauchen eben kurz auf und sind genauso so schnell wieder verschwunden. Rühmliche Ausnahmen bilden hier allenfalls Horst Herold gespielt von Bruno Ganz und Nadja Uhl als Brigitte Monhaupt, diese brillierten so stark, dass ich hier nicht mal eine genauere Einleitung vermisst habe.
Warum übrigens Otto Schilly (EX-Raf-Verteidiger und Ex-Innenminister) in der prominenten Riege der Dargestellten nicht wenigstens kurz im Bild war ist mir ein Rätsel, ein oder zwei Zitate seinerseits bei den Stammheimer Prozessen hätte er sicher verdient gehabt.
Und damit ich nicht falsch verstanden werde die schauspielerischen Leistungen sind bis in die Kleinrollen wie z.B. Tom Schilling als Rudi Dutschkes Attentäter gut bis sehr gut besetzt und dargestellt, nur werden die Protagonisten der jeweiligen Szene eben ohne weitere Erklärung aufs Feld geführt und wieder entlassen, was ich dann doch als schade empfinde aber natürlich der Menge des zu zeigenden Materials geschuldet ist.
Trotz allem will ich dem Film keine Vorwürfe machen, da er wohl einfach ohne große Botschaft die Geschichte anhand von Fakten erzählen will - was ihm dann auch sehr gut gelungen ist.
Fazit: Für alle die sich schon mit dieser Zeit beschäftigt haben ein sehr sehenswerter Film, für alle anderen wahrscheinlich etwas undurchsichtig aber vielleicht auch ein guter Grund versäumtes Wissen nachzuholen.
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September 29th, 2008 at 20:56
Dafür, dass du so müde warst, hast du dich aber auch danach noch tapfer gehalten.
Den Film fand ich auch gut. Gespannt bin ich auf die Fernsversion. In dieser soll noch mehr dargestellt werden.
September 29th, 2008 at 23:12
Yep, da bin ich auch gespannt drauf. Übrigens später habe ich mich gar nicht mehr so tapfer gehalten
September 30th, 2008 at 10:16
Vielen Dank auch für diesen Bericht, Bernhard.
Ich bin schon sehr gespannt auf weitere schöne Beiträge von Dir.
Liebe Grüße,
Klaus
September 30th, 2008 at 11:40
Yo danke, werde mir Mühe geben.